Montag, 14. November 2011

Cusco & Machu Picchu


Auf diesem Blog sind bisher schon einige Superlative gefallen, hier der naechste: Machu Picchu ist der Wahnsinn!
Aber von Anfang an: Von Arequipa aus sind wir per Nachtbus nach Cusco gefahren. Die Nachtbusfahrten in Peru sind uebrigens lange nicht so erholsam wie in Argentinien. Die Busse sind zwar recht komfortabel, aber es geht staendig bergauf und bergab, wobei der Bus (meistens Doppeldecker) in jeder Kurve so schwankt, als wuerde er gleich die naechste Klippe hinabstuerzen. Schlafen ist da irgendwie nicht so angesagt. Cusco hat uns bei der Ankunft erstmal fertiggemacht. Die Stadt liegt auf 3300 Meter Hoehe – das macht kurzatmiger als man sich vorher vorstellt. Ausserdem besteht Cusco zum grossen Teil aus steilen Gassen und vielen Stufen . Mit dem Rucksack auf dem Ruecken auf Hotelsuche zu gehen macht hier nicht wirklich Spass…
Aber sonst ist Cusco toll – wie auch schon Arequipa vorher. Wir waren wirklich ueberrascht, wie schoen die Staedte hier in Peru sind. Superschoene Plaetze, gesaeumt von kolonialen Haeusern, viele kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster, ueberall kleine Laeden, nette Cafes und Pubs und drumherum eine Bergkulisse wie gemalt. Hier kann man schon ein paar Tage verbringen!
Nichtsdestotrotz sind wir vor fuenf Tagen mal wieder aufgebrochen – zur 4-Tages-Inka Jungle Tour. Am ersten Tag wurden wir mit dem Bus auf eine Gebirgspass auf 4300 Meter hinaufgekarrt. Von dort aus ging es mit dem Mountainbike bergab – geschlagene vier Stunden auf einer serpentinenartigen Pass-Strasse, supertolle Aussicht natuerlich inclusive. Auch wenn die Fahrraeder und die Ausruestung auf sehr peruanischem Stand waren, ein Riesenspass. Am zweiten Tag war mal wieder Trekking angesagt, 8 Stunden lang. Erst durch den Dschungel, dann den originalen Inka-Trek entlang, der sich superschmal an steile Berghaenge klammert (nix fuer Menschen mit Hoehenangst!) und dann an einem wilden Gebirgsfluss entlang. Zum Glueck gab es am Ende der Wanderung mal wieder Hot Springs, Pools mit heissem Wasser, das irgendwo aus dem Felsen kommt. Dort am Fuss der Berge die mueden Glieder entspannen, waehrend es langsam drumherum dunkel wird – herrlich. Am Abend hatte die ganze Gruppe irgendwie geschlossen die Schnauze voll von Trekking und beschloss, am naechsten Tag die Haelfte der Wanderung durch Ziplining zu ersetzen, immerhin befindet sich hier die hoechste Anlage von ganz Suedamerika. Wer das nicht kennt: Dabei handelt es sich um lange Drahtseile, die ueber Schluchten und Taeler gespannt sind. Man selbst wird dann an dem Seil befestigt und saust von Seite zu Seite, insgesamt sechsmal. Superlustig! Und tausendmal besser als Trekking… Aber drei Stunden mussten wir dann doch noch ran – nach Agues Calientes, einem Ort, der nur einen Zweck hat: die ganzen Touristen aufzufangen, die hinauf nach Machu Picchu wollen. So wie auch wir natuerlich.
Um halb fuenf sind wir aufgebrochen, und haben uns an den einstuendigen, supersteilen Aufstieg (1900 Stufen) gemacht – schliesslich wollten wir zwei der ersten sein, die oben ankommen. Hat leider nicht ganz geklappt, denn gleichzeitig mit uns kamen die ersten Busse an, die die fauleren Menschen in Massen nach oben karren. Trotzdem hat es sich gelohnt, so frueh aufzustehen: Als wir ankamen, waren die Anlage und die umliegenden Berge noch komplett in Nebel gehuellt. Dann kam langsam die Sonner hervor und der Nebel verzog sich. Ein absolut magischer Moment. Da liegt sie dann vor einem, die verlorene Stadt der Inka – und es verschlaegt einem wirklich kurz den Atem. Unfassbar, dass oben am Berg eine so vollkommene Stadt entstanden ist, von unten von keiner Stelle aus einsehbar! Kein Wunder, dass das Ganze erst vor 100 Jahren entdeckt wurde. Und irgendwie traurig, wie viele Touristen sich heute ueber das Gelaende schieben, buchstaeblig. Aber: Wir sind ja auch zwei von denen. Um 10 Uhr haben wir uns dann an dem Aufstieg auf den Wayna Picchu gemacht – der Berg, der auf dem typischen Machu Picchu-Motiv immer im Hintergrund zu sehen ist. Nochmal eine Stunde Gekraxel und Geschnaufe – aber die Anstrengung wurde zu 100 Prozent belohnt: Von oben ist der Ausblick auf die Inka-Stadt sensationell. Machu Picchu ist eines der sieben Weltwunder – wenn man dort war, weiss man, warum.
Gestern abend sind wir schliesslich wieder in Cusco angekommen, voellig fertig (wir haben beschlossen: No more trekking in Suedamerika!), aber immer noch total beeindruckt. Und heute abend geht es mal wieder per Nachtbus weiter, diesmal nach La Paz.
Irgendwie haben wir beide Peru nicht zugetraut, zu einem unserem Lieblingslaender zu werden (wahrscheinlich wegen der Panfloetenspieler in deutschen Fussgaengerzonen…). Aber genau das ist passiert. Wir sind restlos begeistert. Wer noch auf der Suche nach dem naechsten Reiseziel ist: Go for Peru! Dieses Land bietet alles: Tolle Staedte, grossartige Landschaften, freundliche Menschen und eine superinteressante Geschichte, deren Spuren an allen Ecken und Enden sichtbar sind. Wie Cherie, eine Kanadierin aus unserer Machu Picchu-Gruppe sagte: It’s hard not to fall in love with all that. Und Panfloetenspieler haben wir heute zum allersten Mal gesehen – ehrlich.



















Mittwoch, 9. November 2011

Arequipa & der Colca Canyon

So langsam laesst der Muskelkater nach. Langsam. Vorgestern sind wir von der bisher haertesten Trekkingtour unseres Lebens zurueckgekehrt – im Colca Canyon. Der Canyon ist ueber 3.000 Meter tief und damit einer der tiefsten der Welt. Und weil wir ja nicht das machen wollen, was alle Touristen machen, haben wir in Arequipa (uebrigens eine sehr schoene Stadt vor toller Vulkan-Kulisse!) die 3-Tages-Non-Classic-Colca-Trekkingtour gebucht. Tour-Operator Edwin versprach uns von Anfang an: “You will be very tired.” Recht hatte er.
Los ging es am ersten Tag um drei Uhr morgens. Unsere Truppe war lustigerweise eine (fast) komplett deutsche: Flo und Christoph aus Augsburg und Osnabrueck, wohnhaft in Dresden, Sarah und Sebastian aus Frankfurt – und die famose Schweizerin Sibylle aus Zuerich, die wir schon in Nazca kennengelernt hatten. Unser erster Stopp: Cruz del Condor, eine Art Aussichtspunkt hoch ueber der Schlucht, wo man besonders gut Kondore beobachten kann. Es waren ungefaehr 700 mal mehr Touristen und 120 mal mehr Mini-Vans (die die Touristen hinkarren) da als Kondore, aber ein paar haben sich dann doch bequemt und sind ueber unseren Koepfen gekreist. Dann ging es los: Sechs Stunden steil bergab, hinein in den Canyon. Die Aussicht dabei: Absolut spektakulaer, pausenlos. Aber am Ende zitterten die Knie schon ganz schoen. Uebernachtet wurde bei einer Familie mitten im Canyon in kleinen Huetten mit Wellblechdach und Schotterboden. Nach Bier und Abendessen war die Wandertruppe geschlossen am Ende – um neun lagen alle in ihren Betten. Am naechsten Morgen: Muskelkater. Half aber nix, lagen ja schliesslich weitere 10 Stunden Wandern vor uns, erst hoch, dann runter, dann wieder hoch und wieder runter. Nach dem ersten Anstieg fingen wir an, Edwin zu verfluchen. Gegen Nachmittag malten wir uns aus, wie wir ihn in seinem Buero ueberfallen.  Aber: Unsere Anstrengungen wurden immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken auf die Canyon-Landschaft belohnt. Atemberaubend ist uebrigens auch die Hoehenluft – da muss man schon ordentlich schnaufen Am Ende sind wir mit letzter Kraft in den Pool unserer Unterkunft in einer Oase mitten im Canyon gefallen. Auch an diesem Abend: Zapfenstreich um neun. Dritter Tag: Aufbruch um fuenf, drei Stunden Aufstieg (1200 Hoehenmeter), in Serpentinen den Berg hinauf - siehe drittes Foto von unten. Maria, unser Guide, hat uns mit Coca-Blaettern versorgt, die man kaut und sich dann in die Backen steckt und die wach und fit machen sollen. Half irgendwie nur so halbgut. Die Waden brannten, die Oberschenkel fuehlten sich an wie die von Anni Friesinger. Trotzdem: Eines von den Muli-Taxis, die uns immer wieder ueberholten, gabs trotzdem nicht! Und als wir oben ankamen, waren die Qualen schnell vergessen: We survived!
Auf dem Rueckweg dann noch zwei Highlights: Unsere neuen Lieblingstiere, die Alpakas (oder Lamas oder Vicuñas – ich kann sie nicht auseinanderhalten…). Ich habe mich dem Baby-Alpaka, mit dem sich Touristen fuer ein paar Cents fotografieren lassen koennen, an den Hals geworfen. Goran hat versucht, auf der Hochebene ein paar freilebenden Tieren naeherzukommen - leider ohne Erfolg. Als letztes stand dann noch ein Besuch im Thermalbad von Chivay auf dem Programm. Der Pool dort hat 38 Grad – noch nie haben wir uns mit so viel Wonne in irgendein Wasser sinken lassen…

Fuenfeinhalb Wochen sind wir jetzt unterwegs, aber es fuehlt sich viel laenger an, weil wir schon so viel gesehen und erlebt haben. Lustigerweise merken wir langsam erste Longtime-Traveller-Erscheinungen: Wenn wir mal zufaellig einen Fernseher im Zimmer haben, bleiben wir zuhause und schauen Filme an.  Und gestern haben wir Burger gegessen – und waren richtig gluecklich. Dabei haben wir uns frueher immer ueber Leute lustig gemacht, die um die halbe Welt fahren, nur um dann bloede Burger zu essen. Tja. (Aber wenigstens haben wir auch schon ganz viel Alpaka verputzt – das sieht naemlich nicht nur niedlich aus, sondern schmeckt auch koestlich…)
Ach ja, Kreditkarten-Update: Ich habe bereits den Grossteil des Geldes auf mein Konto erstattet bekommen, bei Goran steht die Antwort noch aus. Wir sind zuversichtlich!














Dienstag, 1. November 2011

Lima & Nazca

Neues Land, neuer Stempel im Pass, neue Abenteuer: Peru. Von El Calafate sind wir nach Lima geflogen, ueber Ushuaia (Feuerland) und Buenos Aires. Kurzzeitig hatten wir uns mal Sorgen gemacht, ob es ein Fehler war, Feuerland auf unserer Route auszulassen. Beim Zwischenstopp in Ushuaia waren wir dann aber ganz beruhigt: Schon der Anflug war aufgrund von Sturmboeen ziemlich holprig, es regnete in Stroemen und hatte gerade mal 10 Grad. Wir waren ziemlich froh, dass wir einfach im Flieger sitzenbleiben konnten.
Dann lieber Lima - da war es um einiges waermer, als wir am Freitagabend ankamen. Und auch sonst ist Lima eine ueberraschend sympathische und an vielen Stellen durchaus auch huebsche Stadt. Toll ist die Lage: auf Felsen hoch ueber dem Pazifik. So ganz gepackt hat uns Lima aber irgendwie doch nicht - mit Rio de Janeiro und Buenos Aires gibt es einfach schon zu harte Konkurrenz in unserem Reiseerfahrungsschatz. Zwei Dinge werden uns aber definitiv in Erinnerung bleiben. Erstens: Das Busfahren. In Lima gibt es Milliarden von privaten Bussen in allen Groessen, Fabrikaten und Farben, gemeinsam haben sie nur die Altersschwaeche. Aus jedem Bus haengt ein Mann, der laut schreiend verkuendet, wo der Bus hinfaehrt (und zwischendurch auf andere Verkehrsteilnehmer schimpft). Man muss dann einfach winken und wird in den noch fahrenden Bus hineingezerrt. Und dann ist nur noch eins wichtig: Festhalten. Denn die Fahrer geben Gas, als ginge es um ihr Leben. In Deutschland wuerde man Todesaengste ausstehen, wenn jemand so fahren wuerde, hier ist das halt einfach so. Und deshalb macht es richtig Spass. Die zweite Sache, die uns restlos ueberzeugt hat: Das peruanische Gericht Ceviche. Ein Riesenberg halbroher Fisch, mariniert in Limettensaft, Chilis und Koriander. Das isst man hier traditionell zu Mittag. Sooo lecker! Seit zwei Tagen sind wir suechtig - heute hatten wir bereits zwei Portionen. 
Gestern sind wir dann nach Nazca aufgebrochen. Schon die Fahrt war spannend: Erst faehrt man ein Stueck die Panamericana am rauhen Pazifik entlang, dann geht es ins Landesinnere weiter - und dort fuehlt man sich nicht wie in Suedamerika, sondern eher wie am Hindukush. Nazca selbst ist eine staubige Stadt mitten in der Wueste - eigentlich fuerchterlich. Aber: Ganz in der Naehe befinden sich die Nazca-Linien, riesige, in die Wueste gekratzte Zeichnungen (z. B. ein Affe, ein Papagei und ein Astronaut - siehe Foto!), von denen keiner so genau weiss, wie sie entstanden sind und was sie bedeuten. Die einzige Moeglichkeit, sie zu erkennen, ist aus der Luft. Also sind wir heute morgen zu einem Rundflug in einem kleinen  viersitzigen Leichtflugzeug aufgebrochen und eine halbe Stunde ueber der Wueste gekreist. Allein der Flug hat total Spass gemacht und die Zeichnungen sind wirklich faszinierend. Ist ja immer schoen, wenn man irgendwas sieht, das nicht bis auf das letzte bisschen erforscht und allen ein Raetsel ist.
Das war's dann aber auch schon mit Attraktionen hier. Seit heute morgen tun wir noch eins: Zeit totschlagen, bis heute abend unser Nachtbus nach Arequipa geht. 
Shuko, fuer dich zur Info: Heute sind wir um 6 Uhr aufgestanden (zwecks Flug), gefruehstueckt haben wir Ceviche (nach dem Flug! Sonst gibt's aber eher Weissmehlsemmeln, Butter und Marmelade und Cafe con leche) und das erste Bier gab's so gegen vier (mangels Taetigkeitsalternativen). Das variiert aber von Tag zu Tag, je nachdem, was wir vorhaben. Und es gibt definitiv Tage ohne Bier - nicht zu wenige. Suedamerika ist figurtechnisch aber tatsaechlich eine Herausforderung - nicht wegen des Bieres, sondern wegen der Kohlenhydrate, die es pausenlos und in allen ungesunden Formen gibt. Aber: Es schmeckt!










Patagonien - Bilder











Freitag, 28. Oktober 2011

Patagonien

Schon aus dem Flieger sieht Patagonien beeindruckend aus: Endlos weite, karge Flaechen, dazwischen ein paar Seen und Fluesse, im Hintergrund schneebedeckte Gipfel. Als wir aus dem Flieger stiegen, war es vor allem erstmal: kalt. Der eisige Wind war so stark, dass man kaum aufrecht stehen konnte. Also erstmal saemtliche Soft- und Hardshelljacken, Muetzen und lange Unterhosen ausgepackt. Der Ort El Calafate ist so wie wahrscheinlich alle Staedte an abgelegenen Orten dieser Welt (zumindest die in den Auswanderer-Sendungen): verstreute, geduckte Haeuser, die tapfer dem Wetter trotzen. Aber: An jeder Ecke gibt's einen Outdoor-Shop, fuer die, die noch schlechter ausgeruestet sind als wir - die ja eher so auf den Zwiebellook setzen. Vorgestern haben wir dann die Attraktion besucht, wegen der hier ueberhaupt Touristen stranden: Den Perito Moreno Gletscher. Ein 60 Meter hohes und fuenf Kilometer breites Ungetuem aus Eis. Zwei Meter bewegt er sich pro Tag vorwaerts, dabei kracht, knackt und aechzt die Eismasse die ganze Zeit vor sich hin. Und man selbst muss es sich einfach nur auf einer der Aussichtsplattformen bequem machen, den Fotoapparat bereit halten und darauf warten, dass der naechste Eisblock abbricht und unter lautem Getoese ins Wasser kracht. Toll. Zum Glueck hat auch das Wetter mitgespielt und wir konnten uns dabei gemuetlich die Sonne auf die Nase scheinen lassen. Gestern sind wir dann zu einer Zwei-Tages-Tour ins drei Bus-Stunden entfernte El Chalten aufgebrochen. Dort kann man eins besonders gut: Wandern. Der Nationalpark (der gleiche, zu dem auch der Perito Moreno gehoert), bietet vor der Kulisse von Dreitausendern so abwechslungsreiche Landschaften, dass wir uns auf unserem zwei Touren vorkamen wie bei “Herr der Ringe”: Auenland, die Hoehen, die Frodo und seine Jungs bezwingen muessen, der Wald mit den sprechenden Baeumen, die verhaengnisvolle Sumpflandschaft, die Ebenen, auf denen die grossen Schlachten ausgefochten werden, – und das alles innerhalb von Sechs-Stunden-Wanderungen. Auch da zum Glueck fast die ganze Zeit Sonnenschein – also nicht nur was fuer Koerper und Seele getan, sondern auch fuer den Teng (=Teint, Braeune). Wirklich schoene Tage hier. Bilder folgen!
Aber ganz ehrlich: Ist dann jetzt auch mal wieder gut mit Funktionskleidung.

Kreditkarten-Update: Es nervt immer noch alles total und die DKB bemueht sich redlich, uns das Leben weiterhin schwer zu machen statt uns kompetent zu informieren, was zu tun ist. Aber: Licht am Horizont! Wir bekommen Notfallkarten nach Lima gesendet (wo wir morgen hinfliegen) und neue Kreditkarten nach Santiago de Chile, wo wir bei einem alten Brueckenauer Freund Station machen werden. Ausserdem ist alles in die Wege geleitet, damit wir unser Geld wiederbekommen – was hoffentlich auch zeitnah passieren wird. Wird schon wieder. In the end it's just money. Wir sind gesund und haben immer noch Lust, die Welt zu entdecken.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Buenos Aires

Fast eine Woche Buenos Aires haben wir hinter uns (die Busfahrt war uebrigens tatsaechlich sehr angenehm, wenn auch ohne Champagner) – und fuehlen uns selbst schon wie porteños. Das ist das Tolle, wenn man beim Reisen Zeit hat und nicht nach drei Tagen wieder zum Flughafen hetzen muss: Man kann ein bisschen so tun, als waere man ein Einheimischer. Dass das hier besonders gut funktioniert hat, lag auch an unserem Hotel: ein 7-Zimmer-Paradies in einem Stadthaus, das ein wenig an ein englisches Herrenhaus erinnert, mit hohen Decken, riesigem herrschaftlichem Esszimmer, Fluegeltueren und einer traumhaften verwucherten Hinterhofterrasse - perfekt fuers Aperitivo-Bier. Soooo schoen. Wir haben natuerliche saemtliche Sehenswuerdigkeiten abgeklappert: Evitas Grab auf dem Friedhof in Recoleta, die Tangotaenzer in San Telmo, die Plaza de Mayo… Buenos Aires ist riesig, deshalb haben wir uns einen Tag lang von einem Hop on-hop off-Touribus durch die Stadt kutschieren lassen, sind aber nie ausgestiegen – the american way of sightseeing. Sonst aber mal wieder meilenweit gelaufen und unserem Lieblingshobby beim Stadt-Sightseeing gefroent: Wer entdeckt die coolste Wohnung mit der groessten Dachterrasse? (Und davon gibt es viele hier…) Auch das Wetter hat mitgespielt – gestern hatten wir 28 Grad. Und wir haben es wie die Einheimischen gemacht, uns im Park an den See gelegt und huebschen Maedels und Jungs beim Rollerbladen zugeschaut. Was gab es sonst noch? Steaks natuerlich. Lomo, Bife de chorizo, ojo de bife – so langsam haben wir die ganze Kuh von vorne nach hinten durchprobiert. Woran wir uns allerdings erst gewoehnen mussten, sind die Essenszeiten der Argentinier. Vor neun verlaesst hier niemand das Haus, um Essen zu gehen – eine Zeit, zu der ich schon laengst halb verhungert und ausserdem schon zum ersten Mal eingenickt bin. Aber: Auch daran gewoehnt man sich. Was wirklich Spass macht in Buenos Aires, ist Ausgehen. Im Stadtteil Palermo (das Glockenbach von BA) gibt es unzaehlige Bars, Dachterrassen, man kann draussen sitzen, die Plaetze sind voll mit Menschen, ueberall gibt es Musik. Ilya und Chris waren bis vorgestern mit von der Partie und so hatten wir so einige lustige Abende, an denen wir uns gegenseitig die besten hollaendischen und deutschen Schimpfwoerter in unsere Notizbuecher geschrieben haben. Goodverdomme Klootzak!
Unser letzter Tag heute war allerdings weniger witzig. Gestern haben wir festgestellt, dass unsere Kreditkarten (beide!) nicht mehr am Geldautomaten funktionieren – sie wurden aus Sicherheitsgruenden gesperrt. Wir haben uns erst fuerchterlich aufgeregt: Warum die Bank einfach so Karten sperrt, ohne Bescheid zu geben, wir sind ja wohl nicht die ersten Menschen, die im Ausland Geld abheben wollen und ueberhaupt alles Anfaenger bei der DKB. Dann allerdings hat sich herausgestellt, dass die Karten aus gutem Grund gesperrt wurden – denn unsere kompletten Kreditkartenguthaben wurden an zwei Tagen leergeraeumt, ominoese Abhebungen von einer Bank in Brasilien. Und eins steht fest: WIR waren das nicht. Aber an alle Eltern an dieser Stelle: Bitte keine Sorgen machen, wir haben alles in die Wege geleitet, um das Geld wiederzubekommen, ausserdem gibt es noch andere Konten und andere Kreditkarten – wir werden nicht verhungern. Bitte (noch) keine Spenden per Western Union! Unser Tag heute: In schaebigen Telefonkabinen mit Deutschland telefonieren, Mails schreiben, Schreiben aufsetzen, neue Karten beantragen. Unschoen. So langsam verstehen wir, warum Leute auf die Idee kommen, All-Inclusive-Urlaube zu buchen. Aber: Auch so etwas kann beim Reisen passieren. Und: Nur an Herausforderungen kann man wachsen. Das Bier heute haben wir uns hart verdient.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Sao Paulo & Iguazu

Nach den super-entspannten Tagen auf Ilha Grande das Gegenprogramm: Sao Paulo. Diese Stadt hat 19 Millionen Einwohner, bis zum Horizont sieht man nur Hochhaeuser – in jede Richtung. Dementsprechend haben wir auch die Entfernungen staendig falsch eingeschaetzt: Zu einem Restaurant, von dem wir dachten, es sei ums Eck, sind wir eine Stunde lang marschiert. Muenchner halt. Sao Paulo ist laut, staendig hoert man das Verkehrsrauschen der 8- bis 12-spurigen Strassen, dazu kommen die Helikopter, die von Hochhaus von Hochhaus fliegen. Aber es gibt auch wirklich schoene Ecken: z. B. das Viertel Vila Madalena mit vielen Bars, kleinen Haeusern und huegeligen Strassen, das wie San Francisco aussieht, oder das japanische Viertel Liberdade, in dem man sich sofort wie auf einem asiatischen Markt fuehlt. Kurz: Sao Paulo ist nicht so fuerchterlich, wie immer alle sagen. Gruselig war allerdings unsere erste Hotelerfahrung dort. Wir kamen spaet an, die Hostels im Viertel waren schon ausgebucht. Einzige Moeglichkeit, ohne wieder quer durch die Stadt fahren zu muessen: Ein “cheap love hotel”, in dem sich die meisten Leute nur stundenweise einmieten. Wir dachten: Fuer eine Nacht wirds schon nicht so schlimm sein. War es aber: Schmuddelige Laken auf der Matratze mit Gummi-Ueberzug, klebrige Nachttische und Goran hat sogar ein Schamhaar gesichtet. E. Kel. Haft. Wir lagen die ganze Nacht bewegungslos in unseren Schlafsaecken (nur keine Extremitaeten raushaengen lassen!), an Schlaf war nicht zu denken. Vor allem, als mitten in der Nacht die einschlaegige Klientel eintraf und lautstark ihrem Vergnuegen nachging. Lieber Gott, danke fuer die Erfindung von Ohropax! Zu allem Ueberfluss: Goran mit einer Moerdererkaeltung quasi ausser Gefecht gesetzt (aber laengst wieder genesen, keine Sorgen machen!!). Dieses Zimmer wird fuer immer als “Bumsbutze” in die Geschichte dieser Reise eingehen. Am naechsten Morgen so schnell gepackt wie noch nie und in eine Hotelkette geflohen.
Zwei Tage spaeter Aufbruch in Richtung Iguazu-Wasserfaelle, per Nachtbus, 15 Stunden. Puh. Entspannt ankommen ist was anderes. Die Klimaanlage hat den Bus konstant auf gefuehlte 5 Grad runtergekuehlt (Andrea, vielen Dank fuer den Schlafsack!) und die Sitze waren so schmal, dass an irgendwie einigermassen bequemes Sitzen oder Liegen gar nicht zu denken war. Aber billig wars. Eigenwillig auch die Grenzueberquerung von Brasilien nach Argentinien: Man faehrt mit einem lokalen Bus (RUECKEN!!!) bis zur brasilianischen Grenze, steigt dort aus, um den Ausreisestempel zu bekommen. Der Bus faehrt aber weiter, das heisst, man wartet im Niemandsland an der Grenze ca. eine halbe Stunde lang auf den naechsten Bus, der einen dann weiter zur argentinischen Grenze und schliesslich in den Ort bringt.
Naechster Tag: Besuch bei den Iguazu-Wasserfaellen - und der hat uns wirklich fuer alles entschaedigt. Amazing, wie der Amerikaner sagen wuerde. Absolutely stunning. Sooooo toll. Wir sind zuerst eine Reihe kleinerer Wasserfaelle abgewandert, die schon jeder fuer sich grossartig waren. Als letztes dann der der Blick in die Garganta del diabolo, ein riesiges Dreiviertelrund mit tosenden, unvorstellbaren Wassermassen. Naturgewalt pur. Unvergesslich. Ebenso wie die Speedboatfahrt, die wir unterhalb der Faelle gemacht haben. Dabei faehrt man so nah an die Faelle heran, dass man danach so nass ist, als waere man direkt in den Fluss gesprungen. (Heike, der erste Haertetest fuer die Hardshell-Jacke. Bestanden.) Das hat mal richtig Spass gemacht. Dazu gabs im Nationalpark jede Menge Tiere zu beobachten, unter anderem Nasenbaeren, die wir sehr niedlich fanden - aber nur solange, bis einer auf den Tisch gesprungen ist, um unser Essen zu klauen. Am Abend haben wir dann Chris und Ilya aus Holland wiedergetroffen und unser erstes argentinisches Lomo verdrueckt: Zart, blutig und laecherlich guenstig. Perfect Day.
Heute abend geht es weiter nach Buenos Aires, wieder per Nachtbus. Aber diesmal mit einer luxurioeseren Variante mit mehr Platz, Decken, Dinner und Fruehstueck und sogar Champagner included. Hoert sich gut an. 



 



Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ilha Grande


So, hier noch ein paar Fotos von der Insel! Die beiden auf dem zweiten Bild sind Ilya und Chris aus Holland, mit denen wir aeusserst lustige Tage verbracht haben...
Mittlerweile sind wir in Sao Paulo, Bericht folgt.

Samstag, 8. Oktober 2011

Rio de Janeiro & Ilha Grande



Ja, ihr wollt mehr Bilder. Geht aber gerade nicht, weil die Groesse unserer Fotos das Internet auf dieser Insel komplett ueberfordert. Deshalb erstmal nur Goran und Johanna am Ipanema Beach. 
Drei Tage waren wir in Rio - und haben festgestellt: Jede Lobeshymne auf diese Stadt ist vollkommen berechtigt. Rio ist grossartig. Und wir werden auf jeden Fall irgendwann mal wiederkommen. Muessen wir auch, denn zum kompletten Touri-Programm fehlt uns leider noch der Corcovado (Christus-Statue), denn die hat sich drei Tage konstant in Nebel gehuellt. Dafuer haben wir: Ipanema, Copacabana, Stadtzentrum - alles zu Fuss oder in lokalen Verkehrsmitteln. Denn gefaehrlich ist Rio nicht, zumindest die Stadtteile, in denen man sich als Touri herumtreibt. Die Busse allerdings sind nichts fuer Rueckengeschaedigte, aber der Bandscheibenpatient wirkt den Umstaenden entsprechend recht munter. Highlight: Die Aussicht vom Zuckerhut (googelt einfach Bilder, da ist das Wetter dann auch ein bisschen besser als auf unseren.ziemlich diesigen..). Da zeigt sich erst das Ausmass der Stadt - und ihre ganze Schoenheit mit Dschungel-Huegeln und kilometerlangen Straenden.
Ansonsten gab es viel Cerveja, Caipirinha, Fleisch und Teigtaschen, gefuellt mit - Fleisch. Essen gibts in Rio an jeder Ecke und in jeder Form, vor allem aber mit reichlich Kalorien. Wer sich uebrigens jemals Sorgen gemacht hat, am Ipanema-Beach figurmaessig nicht mithalten zu koennen (also, aeh, wir...): forget it. Das einzige, was hier duenn ist, sind die Stringtangas - die meisten dazugehoerigen Pos NICHT.
Unser naechster Stopp: Ilha Grande. Strand, Sommer, Sonne, Nichtstun. Zumindest einen Tag lang (gestern), denn heute haben wir eine 18 km-Wandertour ueber die Insel gemacht. Dabei gesichtet: Urwald pur, kleine Affen, riesige bunte Schmetterlinge, eine ziiiiiiemlich grosse Eidechse - die hatte zum Glueck mehr Angst als wir. Apropos Tiere: Goran ist gerade auf der Terrasse unserer Pousada ein Kolibri gegen den Kopf geflogen. Aber nix passiert. 
Wir gehen jetzt zum Strand, Dinner & Cerveja. Ihr hoert wieder von uns - dann auch mit mehr Fotos - versprochen!